Nach umfangreicher Sanierung unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten mit der Authentizität von 1968 wurde unsere Schule nahezu 50 Jahre nach Gründung für unsere Schulgemeinschaft am 9. April 2018 wieder eröffnet.

Ein Typ wird 50 - Die Geschichte des Schultyps "Dresden-Atrium"

Autor: Daniel Fischer

 

Entwicklung: VEB Hochbauprojektierung Dresden
Vorprojekt: Entwurf von Prof. Helmut Trauzettel, Dresden 1959
Entwicklungszeitraum: 1961 bis 1963
   
Architekt*innen und Entwickler  
Entwurf: Walter Polzer
Architektin der Schule: S. Kriesche
Architekt der Turnhalle: L. Rothenbarth
   
Bauzeitraum 1964 bis 1981
Zahl der errichteten Schulen: 122
Zahl der errichteten Sporthallen: 18

Dieser Schultyp wurde im gesamten ehemaligen Bezirk Dresden errichtet und ab 1981 durch den Schulbau-Kompakttyp R81 abgelöst. Die Schule Typ „Dresden-­‐Atrium“ ist mit seinem markanten Doppel-H-Grundriss  typisch für die Dresdner Schullandschaft. Über 50 Schulen dieses Typs allein in Dresden prägen das Stadtbild. Eines der ersten Schulgebäude des Typs befindet sich am Terrassenufer. (aktuell Ausweichstandort für das Gymnasium Dresden-Plauen).  Dieses Gebäude wurde mit der dazugehörigen Sporthalle, die über einen überdachten Verbindungsgang erreichbar ist, errichtet.

Während in den 1950er und 1960er Jahren die ersten Schulneubauten nach meist traditionellem Konzept entstanden, begann gleichzeitig auch eine intensive Forschung auf dem Gebiet der Schularchitektur und Schulhygiene.

 

Der Dresdner Architekt Prof. Dr. Helmut Trauzettel galt durch seine wissenschaftlichen Arbeiten und seine Habilitation als ein international anerkannter Experte für Kindertagesstätten und Schulbauten. Er entwickelte 1959/60 einen Schultyp, der zum einen den wirtschaftlichen und technisch-ökonomischen Gegebenheiten aber auch den neuesten Erkenntnissen eines modernen und innovativen Schulbaus genügen sollte unter Berücksichtigung der Anforderungen an eine Polytechnische Oberschule, wie sie in der DDR seit 1959 als verbindlich galt.

 

Trauzettel orientierte sich dabei an den internationalen Trends und Forschungen aus der Psychologie und Gesundheitsforschung sowie den Ideen der Reformpädagogik.

So wurden für die „Trauzettel-Schule“ neben der „Schuster-Erschließung“ der Klassenräume (nach Prof. Schuster, Wien) mit einer zweiseitigen Belichtung der Unterrichtsräume und zugfreie Querlüftung auch windgeschützte Pausenhöfe, helle Verbindungsgänge, eine Aula und eine Turnhalle vorgesehen.

Sein innovativer Entwurf, 1961 veröffentlicht, wurde in Fachkreisen hoch gelobt, sollte aber letztlich in Dresden nur abgewandelt zur Anwendung kommen. Die Stadtplaner forderten einen kompakteren Baukörper.

 

Trauzettel sah in seinem Entwurf drei parallele 2 bis 3-geschossige Schulgebäude

vor, die untereinander durch je drei Verbindungsgänge verbunden waren, so dass 4 Innenhöfe entstanden. Seitlich an die äußeren Verbinder angeordnet fand sich eine Aula auf der einen Seite, die Turnhalle auf der anderen Seite des Komplexes.

 

Bereits 1962 konnte auf Initiative des Bezirkes Halle mit dem Bau der ersten

„Trauzettel-Schulen“ in Bitterfeld und Wolfen begonnen werden.

Das Stadtbauamt Dresden beauftragte nun um 1961 den VEB Hochbauprojektierung

Dresden mit der Entwicklung eines eigenen Schultypenbaus unter Berücksichtigung des Konzeptes von Helmut Trauzettel.

 

Nach einem Entwurf von Walter Polzer entstand bis 1963 im Kollektiv von Günther Wild (Sibylle Kriesche – projektverantwortliche Architektin) als Typenbau in Fertigteil-Montagebauweise eine 20-klassige-polytechnische Oberschule in 2Mp-Wandbauweise für 720 Schüler, in der Literatur später als Schule Typ „Dresden Atrium“ bezeichnet.

Die zur Schule gehörige Turnhalle mit 12 x 24m Sportfläche wurde bis 1963 ebenfalls vom VEB Hochbauprojektierung Dresden erstellt. Architektin der Turnhalle ist Leonie Rothbarth.

Bis 1968 wurden im gesamten Bezirk Dresden 7 Schulen nach dem Ursprungsentwurf

des VEB Hochbauprojektierung errichtet, als letzte die im März 1968 eröffnete 49.POS in Dresden, Bernhardstraße 80, die kürzlich unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Bis auf den Standort Ottendorf-Okrilla wurden die Schulen mit der dazugehörigen

Turnhalle errichtet.

 

Im Zeitraum von 1963 bis 1981 entstanden im gesamten ehemaligen Bezirk Dresden 122 Schulen des Typs „Dresden Atrium“, allein 55 Schulen im Stadtgebiet Dresden.

Dieser Dresdner Schultyp prägt nunmehr seit 50 Jahren sowohl die Stadtlandschaft

Dresdens als auch die Schularchitektur der 1960er bis 1980er Jahre und markiert gleichzeitig den Beginn des typisierten Gesellschaftsbaus in industrieller Bauweise in Dresden.

 

Zum bearbeiteten Projekt gehörten zudem Kaufhallen und Kindereinrichtungen,

die mit demselben Elementesortiment errichtet wurden. 1967 wurde der Typenentwurf zur Schule noch einmal überarbeitet, in erster Linie, um die Baukosten zu senken. Als rationalisierter Typ wurden ab 1969 alle weiteren Atrium-Schulen errichtet.

So wurden die drei Verbindungsgänge um je 7,20m gekürzt, so dass kleinere quadratische Innenhöfe entstanden. Auch das elegante Schmuck - Treppengeländer wurde durch billigere Industriegeländer ersetzt. Weitere Einsparmaßnahmen in den Folgejahren führten zum Entfall des Windfangs, der Jalousien und schließlich des Deckenputzes.

Standort für die Erstanwendung dieser Typenbauten wurde in Dresden Seevorstadt die 16.POS auf der Josephinenstraße. Ursprüngliche Planungen sahen auch hier noch einen Schulneubau nach Trauzettel-Entwurf vor.

 

Ab Frühjahr 1964 bis Sommer 1966 wurde dort das erste Gebäude des Schultyps „Dresden Atrium“ errichtet. Im selben Jahr entstand auch die zum Projekt gehörende Turnhalle auf dem Schulgelände.

Die ersten 5 Schulgebäude waren nur im Bereich des Hauptgebäudes unterkellert, weshalb eine provisorische Schülerspeisung in zwei Klassenräumen eingerichtet werden musste. Daher wurden nach einer Machbarkeitsuntersuchung und entsprechenden Umplanungen alle weiteren Schulen voll unterkellert, um zusätzliche Räume für die Speiseversorgung zu gewinnen.

Bis 1968 entstanden im gesamten Bezirk Dresden nur 7 Schulen nach dem ursprünglichen Entwurf des VEB Hochbauprojektierung Dresden von 1963.

Alle weiteren 115 Schulen wurden ab 1969 in der rationalisierten Variante errichtet.